Stell dir vor, jemand hat einen Schlüssel zu deinem Postfach. Jeden Tag ist diese Person vor dir da. Sie liest deine Post, fotografiert alles Nützliche, verschließt dann alles wieder und legt es genau so zurück, wie es war. Du merkst vielleicht nie, dass etwas nicht stimmt.
Genau das tun Spyware-Apps mit Geräten. Für Cyberkriminelle ist es viel einfacher und lukrativer, Spyware auf deinem Gerät zu installieren, als einen Postfachschlüssel zu kopieren.
Spyware ist eine Software, die ohne dein Wissen Daten wie Nachrichten, Passwörter, den Standort und Aktivitäten von deinem Gerät sammelt und an die Person sendet, die sie installiert hat. Spyware bedroht ein breites Spektrum von Menschen und ist eine wachsende Gefahr. Nach Angaben von Kaspersky(neues Fenster) stiegen die Spyware-Angriffe auf Android-Benutzer in der ersten Hälfte des Jahres 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 %.
Die gute Nachricht ist, dass du kein Sicherheitsexperte sein musst, um Spyware zu erkennen. Du musst nur wissen, worauf du achten musst und nach welchen Spionage-Apps du Ausschau halten solltest.
Eine ausführliche Erklärung, was Spyware ist und wie sie funktioniert, findest du in unserem Leitfaden zu Spyware. Die drei Arten in diesem Artikel gehören zu den gefährlichsten.
Gefälschte Sicherheitstools
Spyware-Apps sind meist als etwas Seriöses getarnt oder werden im Paket damit geliefert. Ihre effektivste Tarnung: Anti-Spyware.
Menschen suchen nach Sicherheitstools, wenn sie besorgt sind, dass ihre Geräte infiziert sein könnten. Beunruhigt und in Eile, eine Lösung für ihr Problem zu finden, installieren sie viel eher etwas, ohne es vorher genau zu prüfen – insbesondere, wenn dieses Etwas Schutz zu bieten scheint.
Im April 2022 fand Check Point Research(neues Fenster) im Google Play Store sechs als Antiviren-Tools vermarktete Apps, bei denen es sich um Spyware handelte. Diese enthielten den Banking-Trojaner SharkBot, der Anmeldedaten stahl und automatisch auf WhatsApp- und Facebook-Messenger-Benachrichtigungen antwortete, um Links zu weiteren gefälschten Antiviren-Apps zu verbreiten.
Die sechs gefälschten Antiviren-Tools wurden insgesamt über 15.000 Mal heruntergeladen, bevor Google sie entfernte. Als SharkBot zurückkehrte(neues Fenster), getarnt als zwei neue gefälschte Antiviren-Apps, wurden diese über 60.000 Mal heruntergeladen.
Was du dagegen tun kannst
Wenn du vermutest, dass dein Gerät durch Malware oder Spyware gefährdet ist, mache nicht den Fehler, den erstbesten Spyware-Scanner herunterzuladen, den du findest.
- Android-Benutzer: Folge diesen detaillierten Schritten zum Entfernen von Malware von deinem Android-Gerät (einschließlich des Herunterladens eines kostenlosen, vertrauenswürdigen und von der Community verifizierten Spyware-Scanners wie Malwarebytes)
- iOS-Benutzer: iOS schränkt das Scannen durch Drittanbieter-Apps ein. Aktualisiere daher iOS, überprüfe installierte Profile über Einstellungen → Allgemein → VPN & Geräteverwaltung, suche nach unbekannten Apps und wende dich dann an den Apple-Support
Trotz der strengen Sicherheitskontrollen von Apple können iPhones immer noch Viren bekommen – auch wenn dies höchst unwahrscheinlich ist. Erfahre mehr über das jeweilige Betriebssystem in unserem detaillierten Leitfaden zur Sicherheit von Android vs. iOS.
Kommerzielle Stalkerware
Ebenso wie gefälschte Sicherheitstools geben sich auch kommerzielle Stalkerware-Apps als schützend aus. Sie werden oft als Kindersicherungs- oder Mitarbeiterüberwachungstools vermarktet. Doch was auch immer die Entwickler behaupten: Diese Tools werden häufig verwendet, um Menschen auszuspionieren.
Viele sind sogar offensichtlich für diesen Zweck konzipiert und aus den App-Stores verbannt. Verbannte Stalkerware-Apps müssen direkt vom Anbieter heruntergeladen werden (weshalb für die Installation ein kurzer physischer Zugriff auf das Zielgerät erforderlich ist). Once installed on a target’s device, diese Apps laufen unbemerkt und unsichtbar im Hintergrund und sammeln Nachrichten, Fotos, Anruflisten und den Echtzeit-Standort.
Letztes Jahr wurden durch die Untersuchung eines Sicherheitsforschers drei Stalkerware-Apps entlarvt, wie TechCrunch berichtete(neues Fenster). Cocospy, Spyic und Spyzie wurden alle als Kindersicherungstools vermarktet – ein schwacher Vorwand. Seriöse Überwachungstools sind für die überwachte Person transparent. Diese Apps wurden so konzipiert, dass sie vor ihnen verborgen bleiben.
Die Untersuchung zeigte auch ein großes Risiko auf, das von kommerzieller Stalkerware ausgeht (sowohl für die Opfer als auch für diejenigen, die sie einsetzen): mangelhafte Programmierung, die dazu führt, dass Daten für Datenlecks anfällig sind.
Cocospy, Spyic und Spyzie, die denselben Quellcode nutzten, wiesen auch dieselbe Sicherheitslücke auf, die schwerwiegend genug war, um die persönlichen Daten aller Geräte offenzulegen, auf denen sie installiert waren – einschließlich der E-Mail-Adressen von 3,2 Millionen Kunden.
Was du dagegen tun kannst
Wenn du den Verdacht hast, dass jemand ohne dein Wissen eine Überwachungssoftware auf deinem Gerät installiert hat, bist du nicht allein: Stalkerware ist eine anerkannte Form des Missbrauchs.
Die Coalition Against Stalkerware(neues Fenster) bietet Anleitungen zur Erkennung und sicheren Entfernung von Stalkerware, ohne die Person zu alarmieren, die sie installiert hat. Im Vereinigten Königreich bietet Refuge(neues Fenster) spezialisierten Support für technische Sicherheit.
Söldner-Spyware
Zero-Click-Söldner-Spyware-Exploits wurden für den Einsatz durch Staaten entwickelt, um Personen verdeckt zu überwachen. Diese Spionage-Apps nutzen Sicherheitslücken in Betriebssystemen aus, um in die Zielgeräte einzudringen. Sie werden als „Zero-Click“ bezeichnet, weil die Zielperson nichts tun muss (wie z. B. auf einen Link klicken), um infiziert zu werden.
Wie bei kommerzieller Stalkerware wird auch staatliche Spyware oft offiziell als legale Technologie verkauft. In der Praxis wurde diese vermeintlich legale Technologie jedoch wiederholt auf illegale Weise eingesetzt.
Nimm die Zero-Click-Spionage-App Graphite: Der Entwickler Paragon Solutions vermarktet Graphite als Tool zur rechtmäßigen Überwachung, das nur an geprüfte Regierungs- und Straffolgungsbehörden in demokratischen Ländern für legitime strafrechtliche Ermittlungen verkauft wird.
In der Praxis wurde Graphite von Regierungen jedoch unrechtmäßig eingesetzt. Im Juni 2025 bestätigte das Citizen Lab, dass Graphite verwendet wurde, um die iPhones von Journalisten in Europa(neues Fenster) über einen Zero-Click-Exploit zu gefährden.
Und Graphite ist nur das jüngste prominente Beispiel. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021(neues Fenster) ergab, dass die Zero-Click-Spyware Pegasus der NSO Group auf den Geräten von Journalisten, Anwälten und Menschenrechtsverteidigern in mehreren Ländern installiert worden war.
Was du dagegen tun kannst
Zero-Click-Spyware ist extrem schwer zu erkennen und hinterlässt oft keine der typischen Warnsignale (ungewöhnlicher Akkuverbrauch, Überhitzung des Geräts, unerwarteter Datenverbrauch), die andere Spyware-Apps verursachen, wenn dein Telefon einen Virus hat.
Verbrauchertools wie Antiviren-Scanner können Zero-Click-Spyware nicht erkennen. Und spezialisierte forensische Tools, die das können, erfordern Fachwissen für die Ausführung und korrekte Auswertung.
Wenn du aufgrund deines Berufs einem erhöhten Risiko ausgesetzt bist (z. B. als Journalist, Aktivist oder Menschenrechtsverteidiger), wird empfohlen, eine Analyse über die Digital Security Helpline von Access Now(neues Fenster) oder das Security Lab(neues Fenster) von Amnesty International anzufordern.
Wie du das Herunterladen und Installieren von Spyware vermeidest
Befolge diese Tipps, um das Risiko zu minimieren, dass Spyware auf dein Gerät gelangt:
Nutze vertrauenswürdige Quellen: Lade Apps nur aus offiziellen App-Stores oder von verifizierten Entwickler-Websites herunter – denke aber daran, dass selbst die sichersten Quellen niemals absolut sicher sind.
Informiere dich gründlich: Bevor du etwas installierst, überprüfe, ob der Entwickler eine seriöse Webpräsenz hat. Achte auf negative Bewertungen und lies dir durch, was dort geschrieben steht. Achte aber auch auf ein völliges Fehlen negativer Bewertungen, was auf den Einsatz von Bots hindeuten kann.
Aktualisiere dein Betriebssystem: Spyware nutzt Sicherheitslücken im Betriebssystem aus. Wenn du dein Betriebssystem aktualisierst, werden viele dieser Lücken geschlossen.
Achte auf unangemessene Berechtigungsanfragen: Apps, die nach Zugriffen fragen, die nicht passen – etwa eine Wetter-App, die Zugriff auf dein Mikrofon haben möchte, oder ein Fitness-Tracker, der Zugriff auf deine Kontakte verlangt –, sollten sofort misstrauisch behandelt werden.
Mach es Spyware schwerer, gegen dich verwendet zu werden
Spyware ist deshalb so effektiv, weil sie strukturell unsichtbar ist: Sie ist so konzipiert, dass sie im Hintergrund läuft, sich mit allgemeinen Namen tarnt und Berechtigungen anfordert, die routinemäßig erscheinen.
Der verlässlichste Schutz ist ebenso strukturell: die Verschlüsselung deiner Verbindung, damit Spyware das Gesammelte nicht übertragen kann, und die Verschlüsselung deiner Anmeldedaten, damit selbst eine erfolgreiche Kompromittierung keine Kettenreaktion auslöst.
Genau dafür wurden unser sicheres VPN(neues Fenster) und unser Passwort-Manager entwickelt.






